Selbstlernen mit den Möglichkeiten von heute

Selbstlernen – das ist Lernen, das auf eigene Initiative und in eigener Regie stattfindet. Im Kleinen kommt dies in den Selbstlernphasen formaler, institutionalisierter Ausbildung vor; im größeren Umfang begleitet es uns als kontinuierliches Lernen – bewusst oder unbewusst – das ganze Leben (lifelong learning).

Selbstlernen oder autonomes Lernen ist die Fähigkeit, das eigene Lernen selbstständig zu gestalten und selbst die Verantwortung für den Lernprozess zu übernehmen. Das bedeutet zum Beispiel, Lernziele, -wege und -inhalte eigenständig festlegen und den Lernerfolg selbst evaluieren zu können.”

Quelle: https://www.sprachenzentrum.hu-berlin.de/selbstlernzentrum (abgerufen am 20.3.2017)

Lernen und Selbstlernen kann heute in anderer Weise stattfinden als in Zeiten Leonardo da Vincis: sie bauen auf traditionellen Ansätzen auf und ermöglichen neue Wege:

  • Das Social Web (die Gesamtheit der Beziehungen, die das Internet zwischen Menschen untereinander, Themen und Dingen herstellt) hat Form und Reichweite verändert, in der  Lernen und Zusammenarbeit heute stattfinden kann. Durch die Aktivität im Social Web ist man Teil einer neuartigen Form von Kollektiv, die Leistungen erbringen kann, die nur durch die statistische Größenordnung der teilnehmenden Akteure möglich werden. Zugleich ist eine neue Kultur entstanden, die zu aktiver Beteiligung und gegenseitigem, offenen Austausch einlädt.
  • Social Software unterstützt das Lernen im Social Web . Sie helfen Menschen, die sich für ähnliche Themen interessieren, weltweit zueinander zu finden, und bieten geeignete Umgebungen für kollektive Formen des Lernens und der Wertschöpfung. Man kann damit Inhalte organisieren, präsentieren, kommentieren, kuratieren, gemeinsam erstellen und kommunizieren.
  • Frei verfügbare Lernmaterialien (Open Educational Resources (OER), aber auch Websites von Experten, fachlichen Netzwerken, Verbänden, Organisationen, Massive Open Online Courses (MOOCs), die für Selbstlerner interessant sind, gibt es im Web in großer Zahl. Sie sind in digitaler Version von überall und rund um die Uhr verfügbar — anders als Bücher klassischer Bibliotheken.
  • Mobile internetfähige Endgeräte (Notebooks, Tablets, Smartphones) sind weit verbreitet und in einfacheren Varianten oder gebraucht preisgünstig zu erstehen. Mit ihnen kann man von fast überall auf das Internet zugreifen.

Alle vier Bestandteile zusammen schaffen etwas qualitativ Neues, was bisher noch nicht möglich war. Nun gilt es, sich in der Welt der neuen Möglichkeiten zurechtzufinden und sinnvoll damit umzugehen.

Klappt es mit dem Lernen oder der Zusammenarbeit nicht so richtig?

Es kann vorkommen, dass sich trotz erheblicher Bemühungen beim Lernen oder Zusammenarbeiten nicht die erwarteten Erfolge einstellen.

Das unten skizzierte Schema wird Ihnen helfen, den Ursachen auf die Spur zu kommen und die Situation zu verbessern. Die dargestellten Domänen korrelieren recht gut mit dem Gelingen und Scheitern von Arbeitsgruppen. dim-learnin-04

Identität. Startpunkt von allem ist unsere Vorstellung von uns selbst; sie  bestimmt unsere Wahrnehmung, Haltung, Denken, Wollen und Handeln. Jede Veränderung im Innern und jeder Einfluss auf die Außenwelt erfolgt auf der Basis einer kreativen Grundhaltung: wir interpretieren, bilden Ideen und bauen die Außenwelt nach dem, was uns vom Selbstbild und unserer Kreativität ermöglicht wird.

Kommunikation.. “Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse”, sagt Antoine de Saint-Exupéry im kleinen Prinzen. Einer der Gründe dafür sind unterschiedliche persönliche mentale Modelle, wie wir die Information verstehen, die wir andern geben, und wir diejenige interpretieren, die andere uns geben. “Mental models are the images, assumptions, and stories which we carry in our minds of ourselves, other people, institutions, and every aspect of the world”  (Peter Senge in The Fifth Discipline). Eine gemeinsame Sprache und kompatible mentale Modelle sind erfolgskritisch für gegenseitiges Verständnis und effektive und effiziente Zusammenarbeit.

Arbeitsstil. Damit ist gemeint, welche Praktiken wir verwenden, um unsere Ziele zu erreichen und an welchen Werten und Prinzipien wir uns auf dem Weg orientieren. Ein unpassender Arbeitsstil, der bewusst oder unbewusst gewählt wird, kann über das Gelingen eines Vorhabens entscheiden. Agiles Arbeiten mit reichlich Visualisierung (das ich – sofern sinnvoll – bevorzuge) lebt von ständiger Offenheit zu lernen, zu reflektieren und das Gelernte einzubringen. Prototyping liefert früh nutzbare Ergebnisse und zeigt ebenso schnell Fehler auf. Viele Eigenschaften agilen Arbeitens sind charakteristisch für die Funktionsweise lebender Systeme.

Team-Koordinaton. Damit ist gemeint, wie wir uns und unsere Zusammenarbeit – auch beim Lernen- organisieren. Bei gut eingespielten Teams entwickelt sich die Koordination gelegentlich ähnlich wie bei (anderen) lebenden Systemen: alle am Geschehen Beteiligte kooperieren mit den Partnern ihres jeweiligen Aufgabenbereiches verantwortungsvoll im Sinne eines ausbalancierten Geben und Nehmens. In Summe entsteht ein kleines Ökosystem, das sich durch individuelle Initiative im offenen Austausch mit dem Außen selbst reguliert, und das flexibel mit Veränderung umgehen kann (“organische Kooperation”). Diese Form der Koordination passt sehr gut zu den agilen Prinzipien und zeichnet sich durch minimalen Overhead aus. Allerdings benötigt sie reife Individuen.

Innovation. Damit ist gemeint, wie Neues (*) entstehen kann; also Ansätze, die die Kreativität zur Entfaltung bringen,  die die Ebenen individuellen und kollektiven Bewusstseins, Intuition und Inspiration aufschließen und es den Menschen ermöglichen, Neues zu schaffen. Es gibt ein breites Spektrum an Möglichkeiten wie man dazu vorgehen kann. Jeder Mensch und jedes Team sollte einige solcher Pfade kennen und praktizieren; wichtig ist, dass die Pfade zur Reife der Individuen und des Team passen.

Technische Infrastruktur. Sie umfasst die Technik, die uns hilft, professionell und ökonomisch in organischer Weise zu kooperieren. Sie macht Gebrauch von den Möglichkeiten moderner Technik und balanciert die Achsen lokal-dezentraler, privat-öffentlicher, stationär-mobiler, individuell-kollektiver Nutzung nach den Bedürfnissen der Mitarbeiter, Arbeitsgruppen und des Unternehmens aus. Sie verbindet Individuen, Gruppen- und Organisation durch kompatible Formate, Tools und Nutzungsmuster. Als erfolgreich haben sich in meiner Praxis die “MIR Prinzipien” erwiesen (einfach in der Bedienung, robust in der Bauweise, autonom in Maintenance & Entwicklung, und erschwinglich in den Kosten), sowie die “LEGO-Architektur” (offen, modular, Plug-and-Play).

Arbeitsumgebung . Damit ist ein Ambiente gemeint, in der wir uns wohlfühlen und das uns unterstützt, konzentriert und professionell zu arbeiten. Die Atmosphäre, die sie erzeugt, ist ein kritischer Erfolgfaktor und wesentlich dafür, ob sich Kreativität überhaupt entfalten kann. In kurzsichtig profitorientierten Betrieben wird sie typischerweise unterschätzt; durch eigene Wertschöpfung erfolgreiche Unternehmen wissen um ihre Wichtigkeit und kümmern sich entsprechend intensiv darum.

(*) Anmerkung. Bei “Innovation” halte mich an die ursprüngliche Definition im Sinne von Erneuerung (lat. innovare) und lehne die heute übliche Einschränkung des Begriffes auf kommerzielle Verwertung einer Neuerung ab. Danach hätte es in den Millionen Jahren des Lebens vor der Erfindung des Profits keine Innovation gegeben.

Wie hat Leonardo da Vinci sein Weltverständnis aufgebaut?

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Leonardo da Vinci [Public domain], via Wikimedia Commons
Aus einer Dokumentation des ZDF aus dem Jahre 2009 habe ich einige Notizen als Mindmap (s.u.) zusammengestellt, wie Leonardo da Vinci gearbeitet hat, um sein Weltverständnis aufzubauen. Insbesondere kann man von ihm viel über persönliches “Wissensmanagement” und vorurteilsfreies Schauen lernen, also “schauen ohne zu sehen”.

Wesentliche Basis waren seine große Aufmerksamkeit und Beobachtungsgabe. Um seine Eindrücke zu dokumentieren, verfolgte einen zweistufigen Ansatz. Im ersten Schritt hielt er in einem “Schmierblock” an Ort und Stelle in Form kurzer Notizen und einfacher Skizzen fest, was er sah. Im zweiten Schritt übertrug er diese Information mit mehr Details in ein Notizbuch (er hatte viele davon). Er überarbeitete seine Eintragungen in den Notizbüchern immer wieder, ergänzte und änderte sie. Einen Schmierblock hatte er stets bei sich und bewahrte seine Notizbücher gut gesichert zuhause auf. Er folgte seiner inneren Stimme und tat nichts, was nicht seinen Interessen und Zielen entsprach.

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Der Garten – ein Archetyp der Reflexion und Inspiration

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foto: Garten in Moncarapacho, Portugal, hjs

Der Garten wird seit eh und je als ein Ort des Rückzugs, der Kontemplation und Inspiration verstanden. Einige Beispiele:

  • der Garten Eden, das Paradies (im Koran: Janna al-âdan)
  • weitere Arten von Garten im Koran: Janna a-lîmâni – Garten des Glaubens, Janna al-khuld – Garten der Ewigkeit, Janna al-ma’wâ – Garten der Zuflucht, Janna al-na’îm – Garten der Gnade (zitiert nach Aldaberto Alves, As Sandálias do Mestre, Ésquilo, Portugal)
  • die hängenden Gärten von Babylon
  • der Wandelgarten in Japan
  • Epikurs Garten (“kepos”)
  • Tomás Ribeiro: Portugal é “um jardim na beira mar plantado” (“Portugal ist ein bepflanzter Garten am Meer”)
  • Der Generalife (Jannat al-Arif‚ Garten des [Gott] Erkennenden) und die Gärten der Alhambra
  • der bayerische Biergarten mit seinen kühlenden Kastanienbäumen
  • der Giardino dei Tarocchi von Niki de Saint-Phalle
  • der Kindergarten: er soll die Möglichkeit zum absichtslosen Spiel bieten; mit dem Einzug der “Kita”, dieser häßlichen Bezeichung, überlebt das schöne Wort “Kindergarten” wohl nur noch im Exil, wo er längst Eingang in die Sprache und Ideenwelt gefunden hat
  • der Garten mit genau dem Apfelbaum, unter dem ich immer am liebsten saß
  • der Garten bei unseren Freunden in Moncarapacho, wo ich mich sehr gerne aufhalte (s.o.)
  • Claude Monets Garten in Frankreich
  • das schöne Lied von Van Morrison “In the garden”
  • der Garten in der Tradition des Zen
  • Newton fiel der berühmte Apfel vermutlich auch in einem Garten auf den Kopf – woraus das Gravitationsgesetz entstand
  • und Augustinus erfuhr die Erleuchtung ebenfalls in einem Garten

Der indische Dichter, Philosoph und Nobelpreisträger (1913) Rabindranath Tagore fasst in wenigen Worten das Muster, das diesen Beispielen zugrunde liegt, treffend  zusammen:

quote-open-small  Narren hasten,
Kluge warten,
Weise gehen in den Garten.

Rabindranath Tagore

Conversation as a core business process

Recently, when I was tidying up my PC, I came over two pictures that shaped my thinking significantly. These questions have encouraged me to set conversations in the center of learning and proficiency in our work.

The first picture highlights the role of people networks for organizational learning and knowledge sharing “via working conversations in communities of practice“.

The second one asks two interesting “What if” questions and a concluding question:

  • What if … networks of conversations are the CORE PROCESS that forms the deeper ecology of learning and strategy in our organizations?
  • What if … questions that matter are attractors … enabling diverse resources to combine, re-combine to form new patterns of meaning and create value?
  • How might we approach our work differently?

The two pictures originate from Nancy Margulies who works as a visual facilitator. I am very grateful for the permission she gave me to use both pictures on my website.

The idea of “conversation as a core business process” stems (as far as I know) from Juanita Brown and David Isaacs and has been published in the journal The Systems Thinker in 1996/97. They are the creators of the World Café Method which has been adopted as an important technique for practicing group dialogue.

A culture leveraging intelligent cooperation

In a large scale online event on social media in enterprises in my former company in Dec 2009, I posted a vision for 2020 sketching a vision for a learning-friendly corporate culture that supports cultivation of skills, learning on personal and collective level, and intelligent cooperation. It’s a kind of credo and I hope it soon to become normality.

Here is my vision, written in present tense, as posted in 2009.

1. It is common understanding that besides helping the company to earn money, social media also help creating sustainable value for employees, society, and nature. This is widely appreciated, both as a driving and a stabilizing factor for the business.

2. Managers begin to understand themselves as “gardeners” cultivating their business by setting inspiring attractors, growing sustainable capability, and thus attracting and growing talents.

3. The walls of earlier times around the organization have become permeable for synergetic conversation and cooperation; required confidentiality is well respected by the employees since they value the openness.

4. The conversation that is now taking place, is very different from the one-way communications of earlier days. Instead sending designed “messages” to the outer world and relying on smart analysts to listen to the world, today’s open conversations help the company learn different views and create an authentic picture of what the company and its employees stand for.

5. The old word “knowledge management” has been replaced by a new term that emphasizes – in addition to the classic goals – the cultivation of skills, learning on personal and collective level, and intelligent cooperation.

6. Today’s form of “knowledge management” is based on an organic, cooperative model. As with living cells, it lets individuals connect with each other, cooperate, and form a new entity on a higher level; in turn such “cells” may also establish connections and maintain exchange with other entities – even when outside the company. The balance of the company’s business interest and the individual’s self-interest serves as a driving force for professional work.

7. To a large part, this has become possible through using same technology in professional and in private life. CIO’s focus has shifted from prescripting certain applications to recommending a set of popular applications and exchange formats. Thus, I can replace one tool by another one without loosing the ability to connect and cooperate.

Informationsarchitektur — Information Architecture

A difficult concept with various interpretations. Here is one I like.

“Information architecture is a specialized skill set that interprets information and expresses distinctions between signs and systems of signs. More concretely, it involves the categorization of information into a coherent structure, preferably one that the intended audience can understand quickly, if not inherently, and then easily retrieve the information for which they are searching.”

Source: Rosenfeld, L., Morville, P. (1998). Information architecture for the World Wide Web. 1 st. Ed., O’Reilly & Associates, Sebastopol, CA; found in wikipedia at: http://en.wikipedia.org/wiki/Information_architecture, accessed Feb 6, 2012

oder etwas flapsiger von mir ausgedrückt:

“Gute Informations-Architektur macht es möglich, dass man findet was man sucht, auch wenn man noch nicht genau weiß was es ist.”

Wer entscheidet darüber, was wir zu lernen haben?

quote-open-small  Es ist Zeit, grundsätzlich zu fragen, wer überhaupt darüber entscheidet, was wir zu lernen haben. Wer ist dieser big boss? Niemand wird kommen und uns den Weg zeigen oder uns retten, das können nur wir selbst. Wir müssen nur die Angst davor verlieren, dass wir auf unserem Weg im Chaos versinken werden.

Jimmy Wales

(gefunden im ZeitMagazin LEBEN, DIE ZEIT, 11.12.2008 Nr. 51; Jimmy Wales gründete zusammen mit Larry Sanger Wikipedia)