Klappt es mit dem Lernen oder der Zusammenarbeit nicht so richtig?

Es kann vorkommen, dass sich trotz erheblicher Bemühungen beim Lernen oder Zusammenarbeiten nicht die erwarteten Erfolge einstellen.

Das unten skizzierte Schema wird Ihnen helfen, den Ursachen auf die Spur zu kommen und die Situation zu verbessern. Die dargestellten Domänen korrelieren recht gut mit dem Gelingen und Scheitern von Arbeitsgruppen. dim-learnin-04

Identität. Startpunkt von allem ist unsere Vorstellung von uns selbst; sie  bestimmt unsere Wahrnehmung, Haltung, Denken, Wollen und Handeln. Jede Veränderung im Innern und jeder Einfluss auf die Außenwelt erfolgt auf der Basis einer kreativen Grundhaltung: wir interpretieren, bilden Ideen und bauen die Außenwelt nach dem, was uns vom Selbstbild und unserer Kreativität ermöglicht wird.

Kommunikation.. “Die Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse”, sagt Antoine de Saint-Exupéry im kleinen Prinzen. Einer der Gründe dafür sind unterschiedliche persönliche mentale Modelle, wie wir die Information verstehen, die wir andern geben, und wir diejenige interpretieren, die andere uns geben. “Mental models are the images, assumptions, and stories which we carry in our minds of ourselves, other people, institutions, and every aspect of the world”  (Peter Senge in The Fifth Discipline). Eine gemeinsame Sprache und kompatible mentale Modelle sind erfolgskritisch für gegenseitiges Verständnis und effektive und effiziente Zusammenarbeit.

Arbeitsstil. Damit ist gemeint, welche Praktiken wir verwenden, um unsere Ziele zu erreichen und an welchen Werten und Prinzipien wir uns auf dem Weg orientieren. Ein unpassender Arbeitsstil, der bewusst oder unbewusst gewählt wird, kann über das Gelingen eines Vorhabens entscheiden. Agiles Arbeiten mit reichlich Visualisierung (das ich – sofern sinnvoll – bevorzuge) lebt von ständiger Offenheit zu lernen, zu reflektieren und das Gelernte einzubringen. Prototyping liefert früh nutzbare Ergebnisse und zeigt ebenso schnell Fehler auf. Viele Eigenschaften agilen Arbeitens sind charakteristisch für die Funktionsweise lebender Systeme.

Team-Koordinaton. Damit ist gemeint, wie wir uns und unsere Zusammenarbeit – auch beim Lernen- organisieren. Bei gut eingespielten Teams entwickelt sich die Koordination gelegentlich ähnlich wie bei (anderen) lebenden Systemen: alle am Geschehen Beteiligte kooperieren mit den Partnern ihres jeweiligen Aufgabenbereiches verantwortungsvoll im Sinne eines ausbalancierten Geben und Nehmens. In Summe entsteht ein kleines Ökosystem, das sich durch individuelle Initiative im offenen Austausch mit dem Außen selbst reguliert, und das flexibel mit Veränderung umgehen kann (“organische Kooperation”). Diese Form der Koordination passt sehr gut zu den agilen Prinzipien und zeichnet sich durch minimalen Overhead aus. Allerdings benötigt sie reife Individuen.

Innovation. Damit ist gemeint, wie Neues (*) entstehen kann; also Ansätze, die die Kreativität zur Entfaltung bringen,  die die Ebenen individuellen und kollektiven Bewusstseins, Intuition und Inspiration aufschließen und es den Menschen ermöglichen, Neues zu schaffen. Es gibt ein breites Spektrum an Möglichkeiten wie man dazu vorgehen kann. Jeder Mensch und jedes Team sollte einige solcher Pfade kennen und praktizieren; wichtig ist, dass die Pfade zur Reife der Individuen und des Team passen.

Technische Infrastruktur. Sie umfasst die Technik, die uns hilft, professionell und ökonomisch in organischer Weise zu kooperieren. Sie macht Gebrauch von den Möglichkeiten moderner Technik und balanciert die Achsen lokal-dezentraler, privat-öffentlicher, stationär-mobiler, individuell-kollektiver Nutzung nach den Bedürfnissen der Mitarbeiter, Arbeitsgruppen und des Unternehmens aus. Sie verbindet Individuen, Gruppen- und Organisation durch kompatible Formate, Tools und Nutzungsmuster. Als erfolgreich haben sich in meiner Praxis die “MIR Prinzipien” erwiesen (einfach in der Bedienung, robust in der Bauweise, autonom in Maintenance & Entwicklung, und erschwinglich in den Kosten), sowie die “LEGO-Architektur” (offen, modular, Plug-and-Play).

Arbeitsumgebung . Damit ist ein Ambiente gemeint, in der wir uns wohlfühlen und das uns unterstützt, konzentriert und professionell zu arbeiten. Die Atmosphäre, die sie erzeugt, ist ein kritischer Erfolgfaktor und wesentlich dafür, ob sich Kreativität überhaupt entfalten kann. In kurzsichtig profitorientierten Betrieben wird sie typischerweise unterschätzt; durch eigene Wertschöpfung erfolgreiche Unternehmen wissen um ihre Wichtigkeit und kümmern sich entsprechend intensiv darum.

(*) Anmerkung. Bei “Innovation” halte mich an die ursprüngliche Definition im Sinne von Erneuerung (lat. innovare) und lehne die heute übliche Einschränkung des Begriffes auf kommerzielle Verwertung einer Neuerung ab. Danach hätte es in den Millionen Jahren des Lebens vor der Erfindung des Profits keine Innovation gegeben.